Der lange Weg ins Nichts – Bewerbungen bei deutschen Firmen (II)

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Camelot Management Consultants AG: holprig wie ein Kamel

Die Mannheimer Strategie- und Organisationsberatung für Value Chain Management sucht einen Head of Corporate Communication & Public Relations. Kurz nach Versand der Bewerbung teilt das Unternehmen per Mail mit: „Vielen Dank für Ihre Unterlagen sowie Ihr Interesse an unserem Unternehmen. Wir sind bei unserer Auswahl sehr sorgfältig. Bitte haben Sie etwas Geduld, wir werden uns in Kürze mit Ihnen in Verbindung setzen.”

Zwei Wochen später lädt der Head of Human Resources zu einem Telefonat ein. Das Gespräch dauert eine knappe Stunde, verläuft angenehm und der Camelot-Personaler weist darauf hin, dass man um ein rasches und transparentes Auswahlverfahren bemüht sei. Es dauert dann allerdings über zwei Wochen, ehe er eine Einladung zu einem persönlichen Gespräch in der Mannheimer Zentrale verschickt. Dieses Gespräch wiederum soll drei Wochen später stattfinden. Immerhin: Der Chef und Mitgründer der Firma wird daran teilnehmen.

Vier Tage vor dem Gesprächstermin verschiebt das Unternehmen diesen um zwei Wochen nach hinten, da dem Geschäftsführer etwas dazwischen gekommen sei. Der Kandidat fragt sich, was der Human-Resources-Chef mit einem raschen Auwahlverfahren meinte.

Das persönliche Gespräch mit dem Unternehmenschef, dem Leiter Human Resources und der Marketingchefin verläuft ungewöhnlich. Im Wesentlichen referiert der Unternehmenschef eine Stunde lang anhand von Power-Point-Slides über sein Unternehmen, erklärt seinen Kommunikationsbedarf und schickt den Kandidaten mit den Worten nach Hause, dass er ein weiteres Gespräch mit dem Bewerber führen werde, dieser aber bis zum nächsten Mal bitte ein Konzept ausarbeiten möge, dass Lösungen für die ungelösten Kommunikationsaufgaben von Camelot aufzeige. “Wir werden das Gespräch innerhalb der nächsten zwei Wochen mit Ihnen führen”, verspricht der Human-Resources-Chef beim Rausgehen.

Als sich das Unternehmen nach mehr als einer Woche noch nicht mit einem Terminvorschlag gemeldet hat, fragt der Kandidat nach. Daraufhin antwortet der Personalchef per Mail: “Aktuell sind wir noch in Gesprächen mit weiteren Kandidaten. Somit werden wir die Auswahl der Kandidaten, welche wir gerne zu einem zweiten Gesprächstermin zu uns einladen, erst zum Ende der nächsten Woche treffen.“

Seltsam, denkt sich der Bewerber. Der Firmenchef hatte doch zugesagt, auf jeden Fall ein weiteres Gespräch mit ihm führen zu wollen. Und von einer Zwei-Wochen-Frist ist plötzlich auch nicht mehr die Rede.

Vier Tage später meldet sich der Personalchef mit einer weiteren, orthografisch nicht ganz korrekten Mail: “Obwohl wir einen guten Eindruck von Ihnen gewonnen und keinen Zweifel an Ihrer Qualifikation habe, muss ich Ihnen leider mitteilen, dass wir den Bewerbungsprozess an dieser Stelle nicht weiterverfolgen werden. Die Gründe hierfür liegen ausschließlich in den spezifischen Anforderungen der zu besetzenden Positionen. Bitte haben Sie Verständnis für diese Entscheidung.”

Nächste Folge: Europäisches Patentamt

 

Der lange Weg ins Nichts – Bewerbungen bei deutschen Firmen (I)

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SAP: Nicht soft, sondern zäh

Der Walldorfer Softwarekonzern sucht einen „Head of Communications” für Mittel- und Osteuropa. Eine verantwortungsvolle Aufgabe, schließlich gilt es in dieser Position, die externen Kommunikationsaktivitäten in wichtigen Märkten zu steuern. Fünf Tage, nachdem der Kandidat auf der Online-Karriere-Seite von SAP sein Profil ausgefüllt und seinen Lebenslauf eingestellt hat, bittet ihn das Unternehmen per Mail zu einem Telefonat mit einer Dame in den USA. Das Gespräch, eine Woche später, verläuft freundlich. Die SAP-Dame sagt Sätze wie „this is a very good point“ oder „your CV is very impressing“. Sie verabschiedet sich mit den Worten, dass es eine ausgesprochene Freude gewesen sei, sich mit dem Bewerber unterhalten zu haben.

Danach ist Ruhe. Fast zwei Monate lang. Erst als der Bewerber nachfragt und bei der Gelegenheit seine neue Mobilfunknummer durchgibt, reagiert die Personalabteilung: „Vielen Dank für die Auskunft.“

Anschließend herrscht erneut Schweigen. Nach drei Wochen fragt der Kandidat nochmals nach: „Ich habe mich vor längerer Zeit bei Ihnen auf die Position des Head of Communications beworben. Seitdem habe ich nichts von Ihnen gehört. Könnten Sie mich bitte über den aktuellen Stand des Bewerbungsverfahrens informieren?“

Sechs Wochen nach dieser Anfrage erhält der Bewerber eine E-Mail von SAP: „Bitte öffnen Sie das PDF Dokument im Anhang.“ Kein Anschreiben, kein Gruß, nur diese dürre Zeile.

Der Kandidat öffnet das pdf, in dem ihm mitgeteilt wird: „Vielen Dank, dass Sie sich für eine neue Karrieremöglichkeit bei SAP interessieren und sich bei uns beworben haben. Nach sorgfältiger Prüfung Ihrer Unterlagen müssen wir Ihnen leider mitteilen, dass wir uns für andere Kandidaten entschieden haben. Aber die nächste Chance kommt bestimmt. Wenn Sie auch weiterhin an unseren Karrieremöglichkeiten interessiert sind, empfehlen wir Ihnen, im SAP Online Career Center einen Jobagenten einzurichten. … Wir hoffen, dass Sie schon bald eine passende Stelle bei SAP finden. Mit freundlichen Grüßen, Ihr SAP Careers Team.“

Nächste Folge: Camelot Management Consultants AG