Herr Weselsky macht auf wichtig

Die Gewerkschaft der Lokführer (GDL) ist eine kleine Vereinigung, aber sie streikt. Mal wieder. Herr Weselsky, ihr Anführer, hat durchgesetzt, dass mehrere Handvoll Lokstand-Kontrolleure ein ganzes Land in Haftung nehmen. Schon wieder. Bereits in den vergangenen Jahren hatten wir Bahn-Nutzer das Vergnügen, bei niedrigen Temperaturen tagelang am Bahnsteig rumzustehen und auf „unseren“ Zug zu warten. Weil Herr Weselsky – und ehemals sein Vorgänger – es so wollten. Vielen Dank!

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Herr Weselsky hat sich das offenbar von der Gewerkschaft der Lufthansa-Piloten, Vereinigung Cockpit, abgekuckt. Das sind auch nur recht wenige, aber auch die legen ein ganzes Land lahm.

Wie machen das eigentlich andere Gewerkschaften? Der Einzelhandel bestreikt einen Tengelmann, die Müllmänner bestreiken ein paar Tonnen, die Drucker bestreiken eine Regionalzeitung. Das ist ihr gutes Recht, und sie treffen damit ihren Arbeitgeber, um ihre Partialinteressen durchzusetzen. Herr Weselsky und Herr Ilja Schulz, Präsident der Vereinigung Cockpit, treffen nicht nur ihren Arbeitgeber. Sie treffen die gesamte Gesellschaft. Sie tun das bewusst und nehmen uns alle – Millionen – als Geiseln zur Durchsetzung ihrer Interessen.

Nun könnte man fragen: Wieso machen die das? Haben die in jungen Jahren nicht genug Muttermilch abbekommen und suchen nun die Zuneigung im Beifall ihrer Lokführer und Piloten? Oder sind die im Sandkasten dauernd verprügelt worden und sehen nun die Chance, mal einen auf dicke Backe zu machen? So wie ein hyperaktiver Zwergpinscher, der die Passanten mal eben ins Bein beisst.

Die Vermutung ist: Ja! Wenn Männer (und manchmal auch Frauen) groß werden, spielen sie genauso weiter wie damals – nur größer eben. Herr Weselsky, der Mann mit dem seltsamen Schnauzer, wird sich toll fühlen, wenn er Herr der Schlagzeilen ist, die Macht nicht nur über die Züge, sondern auch über die Pendler hat und für ein paar Tage darüber bestimmen kann, ob wir ins Büro kommen oder nicht. Und Herr Schulz dürfte sich ebenfalls sonnen in dem guten Gefühl, dass viele Geschäftsleute ihren Termin in Schanghai und Sao Paulo nun dummerweise nicht wahrnehmen können. Wegen ihm.

Machtmenschen sind in Wirklichkeit arme, bedauernswerte Würstchen. Sie beziehen ihr Ego aus der Funktion, in die sie gehievt worden sind. Macht ist ein wesentlicher Bestandteil ihres Alltags, doch Macht ist kein Mittel, unser Leben und unsere Gesellschaft weiter zu bringen. Üben die Herren Weselsky und Schulz diese Macht auch im Privaten aus? Wenn ja, dann dürfte die Halbwertzeit ihrer Beziehungen begrenzt sein.

Also, lassen wir diese Möchtegerngrossen und ihre Lokführergenossen ein bisschen spielen. Sie werden damit ohnehin scheitern. Und falls wir ihnen persönlich begegnen – bestreiken wir sie: Ignorieren wir sie. Oder besser: Rufen wir ihnen beim nächsten Bahnhofshalt zu, was wir von ihnen halten.

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