Der lange Weg ins Nichts – Bewerbungen bei deutschen Firmen (III)

Europäisches Patentamt: Schweigen, Schweigen, Schweigen

Die Arbeitslosenquote ist gering, die deutschen Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Man möchte meinen, dass sie sich also ins Zeug legen, gegenüber potenziellen Mitarbeitern ihre besten Seiten zeigen und sich bemühen, mit einem transparenten und zügigen Auswahlverfahren das Vertrauen der Bewerber zu gewinnen. Die Wirklichkeit ist vielfach anders, wie drei Beispiele aus der Praxis zeigen.

Patentamt_MUC_Pixabay

Das Europäische Patentamt sucht einen „Direktor Externe Kommunikation – EPA-Sprecher“ für den Standort München. Ein spannender Posten, sicherlich. Allerdings sollen Bewerber drei Sprachen fließend sprechen – Deutsch, Englisch und Französisch. Nun, mit meinem Französisch ist es nicht so weit her, allerdings erfülle ich sämtliche inhaltlichen Forderungen. Da der aktuelle Präsident jedoch ein Franzose ist, dürfte es ohne fließende Kenntnisse dieser Sprache schwierig werden, in die innere Wahl zu kommen. Andererseits gibt es seit langem mächtig Zoff zwischen Präsident und Mitarbeitern – vielleicht ist der Präsident ja nicht mehr lange Präsident?

Interessant ist die Position auch hinsichtlich ihrer Bezahlung. In der Stellenbeschreibung heißt es:  „Das EPA bietet ein attraktives Nettogehalt bzw. Grundgehalt (je nach Vorerfahrung 9 575 bis 13 614 EUR monatlich nach Abzug der internen Steuer). Zum Besoldungspaket der EPA-Bediensteten gehören außerdem diverse Leistungen und Zulagen, etwa eine Haushalts- und Erziehungszulage, eine Einrichtungsbeihilfe, eine private Krankenversicherung sowie ein eigenes Versorgungssystem.“

Wow, bis zu 13600 Euro monatlich netto plus Zusatzleistungen Wo gibt es denn sowas? Machen die dort einen so genialen Job, dass sie derart fürstlich entlohnt werden müssen? Ich habe mal einen Patentamtsmitarbeiter getroffen. Der berichtete mir eher gelangweilt von seinem Alltag mit tausenden Normen und Vorschriften.

Wer finanziert eigentlich das EPA? Ach ja, alle Bürger Europas.

Ich fülle das umfangreiche Onlineformular des EPA aus. Einige Bugs in der Programmierung machen das Vorankommen holprig, manche Fragen und Anweisungen lassen jetzt schon auf ein hohes Maß an Bürokratie schließen.

Am 8. Dezember verschicke ich meine Bewerbung. Wie üblich bei solchen Programmen erhalte ich eine automatische E-Mail:

„Dies ist eine automatisch erzeugte E-Mail. Bitte nicht antworten. Vielen Dank für Ihre Bewerbung und Ihr Interesse an einer Tätigkeit im Europäischen Patentamt. Auf Grund der Vielzahl der eingegangenen Bewerbungen wird die Bearbeitung eininge Zeit in Anspruch nehmen. Wir möchten Sie bitten, die Personalabteilung nicht zu kontaktieren. Entscheidungen bezüglich Ihrer Bewerbung werden per E-Mail und auf durch den personalisierten Status-Report auf unserer Webseite kommuniziert.“

Die grammatikalischen und orthografischen Schnitzer in der Mail wecken Zweifel bei mir, ob die EPA-Mitarbeiter ihr Geld wirklich wert sind.

Die Formulierung „eininge Zeit in Anspruch nehmen“ scheint die Personalabteilung des EPA sehr ernst zu nehmen, denn zwei Monate lang höre ich nichts mehr aus dem Amt. Dann beschließe ich nachzufassen, wenngleich ich mich damit über die Aufforderung hinwegsetze, die Personalabteilung nicht kontaktieren zu dürfen.

„Sehr geehrte Damen und Herren, ich habe mich am 4.12.2014 auf die ausgeschriebene Position des Direktor Externe Kommunikation – EPA-Sprecher beworben. Seitdem habe ich nichts von Ihnen gehört. Könnten Sie mir bitte den aktuellen Stand meiner Bewerbung mitteilen?“

Noch am selben Tag erhalte ich eine Rückmeldung:

„…Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen. Zu diesem Zeitpunkt haben wir leider noch keine weitere Information bzgl. den Stand Ihrer Bewerbung. Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Human resources officer Recruitment | Dir. 4.3.4.1
European Patent Office“

Das ist bedauerlich. Bedauerlich auch, dass die EPA-Mitarbeiter noch nichts vom Genitiv gehört haben.

Also warte ich zwei weitere Monate ab, in denen es dem EPA offensichtlich auch nicht gelingt, das Auswahlverfahren voran zu bringen. Dann hake ich erneut nach.

„…nachdem zwei weitere Monate vergangen sind und ich nichts aus Ihrem Hause gehört habe, würde ich erneut gerne wissen, wie der Stand des Bewerbungsverfahrens ist.“

Auf eine Antwort warte ich immer noch. Ich glaube, den Kommunikationsjob beim Patentamt kann ich mir abschminken. Schade eigentlich. Die 13.600 Euro monatlich plus Zusatzleistungen hätte ich gerne gehabt.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.