Deutschland, wo bist du?

Allzu weit sind die sieben Bundeswehrsoldaten noch nicht gekommen, die Kämpfern der kurdischen Peschmerga-Armee beibringen sollen, wie man Pistolen, Maschinengewehre und Panzerfäuste im Kampf gegen die IS-Terroristen bedient. Ihre Transall, mit der sie von Deutschland aus fliegen wollten, soll einen Defekt gehabt haben. Nun seien sie mit einem anderen Flugzeug unterwegs, dessen Kennung die irakischen Behörden jedoch nicht anerkennen. Sie hängen in Bulgarien fest.

Das klingt etwas seltsam angesichts der zeitgleichen Nachricht, dass die USA zusammen mit arabischen Staaten in der vergangenen Nacht massive Luftangriffe gegen IS-Terroristen in Syrien geflogen haben. Im Irak sind die Amerikaner bekanntermaßen bereits seit längerem gegen die IS unterwegs. Dabei wurde nicht bekannt, dass sie behördliche Probleme mit der Kennung ihrer Flugzeuge gehabt hätten. Und Herrn Assad sollen sie erst gar nicht gefragt haben, ob sie den Luftraum Syriens benutzen dürfen.

Irgendwie passt das traurige Schicksal der sieben deutschen Ausbilder in diese Zeit. Gestern die Meldung, dass die deutsche Marine kaum noch flugfähige Hubschrauber hat. Beim UN-Klimagipfel in New York werden zahlreiche Staatschefs aus aller Welt vertreten sein, um ein Thema mit gewisser Bedeutung zu diskutieren: Wie kann die Welt vor einem Klimakollaps bewahrt werden? Nur: Unsere Kanzlerin ist nicht dabei.

Wir waren auch bei der Bekämpfung der Ebola-Seuche bisher nicht dabei. Gut, nun wird Deutschland an einer Luftbrücke bauen. Barack Obama hingegen macht Nägel mit Köpfen und schickt 3000 Soldaten nach Westafrika, um die Seuche in den Griff zu bekommen.

Warum auch immer so eine Eile? Die Frage, ob und wie gegen eine Seuche oder Terroristen vorgegangen wird, muss gut durchdacht sein – das dauert eben. Da darf man sich auch von hunderttausenden Flüchtlingen und täglich neu Infizierten nicht treiben lassen.

Alles wird gut: Wenn die sieben deutschen Ausbilder in Bulgarien ausreichend Kaffee getrunken haben, werden sie schon noch weiterfliegen können. Fraglich allerdings, ob es dann für sie noch etwas zu tun gibt. © Bergsturz

Frau_Merkel

 

Speed am Berg – wer braucht das?

Zwei Bergsteiger geben derzeit mal wieder Gas in großer Höhe: Benedikt Böhm und Sebastian Haag wollen innerhalb einer Woche zwei Achttausender bezwingen. Die Strecke zwischen den beiden Himalayariesen werden die beiden mit dem Fahrrad überwinden.

Shisha Pangma Basecamp, Tibet

Speedbegehung heißt das, was die beiden Mittdreißiger vorhaben. Das ist keine ganz unbekannte Disziplin in den Bergen. Sowohl Böhm und Haag waren in der Vergangenheit bereits flott am Berg unterwegs. Oder Christian Stangl, ein Österreicher, der sich zum Ziel gesetzt hatte, möglichst schnell rauf und wieder runter zu kommen. Und dabei der Wirklichkeit auch schon mal ein bisschen nachhalf, indem er sich auf dem Gipfel wähnte, obwohl er davon noch weit entfernt war.

Aus sportlicher Sicht ist das Höhenrennen sicherlich eine bemerkenswerte Leistung. Das Bergsteigen bringt es allerdings nicht weiter.

Denn letztlich ist es nicht relevant, ob ein Achttausender in 24 oder 48 oder 72 Stunden ab Basislager bestiegen wird. Es ist auch nicht relevant, ob die Eiger-Nordwand in zwei oder zehn Stunden gemacht wird. Oder ob die Nose in Rekordzeit unter Benutzung fragwürdiger Fortbewegungsmethoden (Festhalten an Haken, Hochziehen am Seil) durchrannt wird. Relevant ist in den Bergen der bislang unbestiegene Berg, die neue Route, der neue Schwierigkeitsgrad. Und auch das nur für eine sehr kleine Gruppe von Spitzenbergsteigern.

Die Bergsteiger haben ein Problem: Die meisten alpinen Probleme sind gelöst. Fast alle Gipfel sind bestiegen, die logischen, schönen, anspruchsvollen Routen sind durchstiegen. Was bleibt, ist eine Restmenge an extrem schwierigen und/oder extrem gefährlichen Routen an den Bergen dieser Welt. Das Risiko, diese Touren lebend zu überstehen, ist immens.

Also handeln Alpinisten wie Tiere und greifen in ihrer Not zum Instrument der Übersprungshandlung: Sie suchen sich Ersatzziele beziehungsweise Ersatzherausforderungen. Das Speedgehen am Berg ist so eine Aktivität. Das Schnellgehen ist technisch simpel. Man braucht nur eine möglichst große Lunge dafür. Die kann man sich antrainieren.

Doch genauso wenig, wie die Welt einen Erkenntnisgewinn aus dem Stratosphärensturz des Felix Baumgartner gewonnen hat, hieven Speedbegehungen den Alpinismus auf ein neues Niveau. Irgendwann wird jemand daher kommen, der zwei Achttausender in sieben oder sechs Tagen besteigt. Bitteschön, das ist nett und mag das persönliche Ego stabilisieren. In Wirklichkeit sind derartige Aktionen der verzweifelter Versuch nach ein bisschen Aufmerksamkeit in einer Welt, in der die meisten Rekorde bereits eingestellt sind.

Vielleicht sind die Kinder die wahren Alpinisten von heute. Sie erleben noch den Lauf des Bergbaches, tollen voller Freude im Neuschnee und begeistern sich über den Blick vom 1200 Meter hohen Alpengipfel ins Tal. Wie lange sie dort hinauf gebraucht haben, ist dabei völlig irrelevant.